{"id":970,"date":"2015-04-25T15:05:22","date_gmt":"2015-04-25T14:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/marinacarobbio.ch\/?p=970"},"modified":"2015-04-26T15:06:02","modified_gmt":"2015-04-26T14:06:02","slug":"malaria-ein-toedlicher-stich-fuer-hundertausende-von-menschen-rede-zum-welt-malaria-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marinacarobbio.ch\/de\/2015\/04\/25\/malaria-ein-toedlicher-stich-fuer-hundertausende-von-menschen-rede-zum-welt-malaria-tag\/","title":{"rendered":"Malaria &#8211; ein t\u00f6dlicher Stich f\u00fcr hundertausende von Menschen. Rede zum Welt-Malaria-Tag"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gesch\u00e4tzte Anwesende<\/strong><\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Ich freue mich, heute als Politikerin und \u00c4rztin vor Ihnen sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Malaria ist zwar nur ein kleiner Stich, der aber t\u00f6dlich enden kann. Die infizierte M\u00fccke ist das t\u00f6dlichste Tier f\u00fcr den Menschen, weit gef\u00e4hrlicher als Schlangen oder Krokodile. Die Erreger, sogenannte Plasmodium-Parasiten, werden durch Stiche der weiblichen Anopheles-M\u00fccken \u00fcbertragen. Diese sind vor allem abends und nachts aktiv und m\u00fcssen selber durch einen Stich an einem infizierten Menschen angesteckt worden sein. An Malaria erkrankte Menschen werden von Fieberkr\u00e4mpfen gesch\u00fcttelt, von \u00dcbelkeit und Durchfall geplagt und vom Tod bedroht.<\/p>\n<p>Malaria ist die h\u00e4ufigste Tropenkrankheit und eine der Haupttodesursachen in armen L\u00e4ndern. Die Krankheit bestimmt den Alltag der Menschen, egal ob gesund oder krank. Die Zahlen sind erschreckend: Fast die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung lebt in Gebieten mit Malariarisiko. Rund 250 Millionen Menschen infizieren sich j\u00e4hrlich damit und \u00fcber 600&#8217;000 sterben daran. Betroffen sind vor allem Kinder und schwangere Frauen; in gewissen Gebieten stecken sich bis zu 25 Prozent aller Kinder unter f\u00fcnf Jahren an. Jede Minute stirbt ein Kind an Malaria. Insbesondere der afrikanische Kontinent hat mit dieser heimt\u00fcckischen Infektionskrankheit zu k\u00e4mpfen \u2013 neun von zehn Malariaopfern kommen aus Afrika. Dabei ist Tansania eines der am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4nder der Welt. Dort lebt \u00fcber 93 Prozent der Bev\u00f6lkerung in Gebieten, in denen Malaria auftritt.<\/p>\n<p>Auf Einladung der Swiss Malaria Group reiste ich deshalb anfangs April mit sechs weiteren Nationalr\u00e4tinnen nach Tansania, um mir vor Ort ein Bild \u00fcber verschiedene Projekte zu machen, die sich dem Kampf gegen Malaria verschrieben haben. Dabei stand das vielf\u00e4ltige Engagement von Schweizer Organisationen wie SolidarMed, dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut, der DEZA, Novartis, der Produkteentwicklungspartnerschaft Medicines for Malaria Venture und Drugs for Neglected Diseases im Zentrum.<\/p>\n<p>In Tansania leben viele Menschen weit weg von einer medizinischen Versorgung, die sie sich in vielen F\u00e4llen zudem gar nicht leisten k\u00f6nnen.\u00a0 In den Gesundheitszentren fehlt es h\u00e4ufig an medizinischen Instrumenten, ausreichend Wasser und Platz f\u00fcr die Erkrankten. Im Kampf gegen Malaria braucht es deshalb einen umfassenden Ansatz, der auf Zivilbev\u00f6lkerung, Zugang und Zusammenarbeit setzt.<\/p>\n<p>Malariabek\u00e4mpfung ist dann wirksam, wenn sie die Betroffenen \u2013 die Zivilbev\u00f6lkerung &#8211; auch erreicht und die Menschen in ihrem Kampf gegen Malaria unterst\u00fctzt. Eine lokale, verbesserte Gesundheitsversorgung mit ausreichend ausgebildetem Gesundheitspersonal ist deshalb von grosser Bedeutung. Auch mit Pr\u00e4vention wie Moskitonetze oder H\u00e4ndewaschen kann sehr viel erreicht werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist zentral, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle bezahlbar und erreichbar ist. Eine M\u00f6glichkeit bietet der Community Health Fund, eine lokale Krankenversicherung. Eine Familie bezahlt je nach Region 5000 bis 15&#8217;000 Tansanische Schilling, das sind umgerechnet 2.50 \u2013 7.50 Franken. Die \u00f6ffentliche Hand verdoppelt diesen Betrag und die Familie erh\u00e4lt Zugang zu einer medizinischen Erstbehandlung, inklusive Medikamenten. Dieser Ansatz kann aber nur gelingen, wenn private Pharmakonzerne nicht auf Kosten der Kranken Profit zu machen versuchen und Medikamentenpreise in die H\u00f6he treiben.<\/p>\n<p>Als drittens ist f\u00fcr eine wirksame Malaria-Bek\u00e4mpfung das Zusammenspiel von beteiligten Akteuren elementar. Mich hat die enge und vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Schweizer Organisationen wie dem Tropeninstitut und Forschern und Forscherinnen aus Tansania sehr beeindruckt. Gemeinsam arbeiten sie an einer umsetzungsorientierten Forschung und Entwicklung, um so verbesserte Medikamente, Impfungen, Diagnoseverfahren, Pr\u00e4ventionsmassnahmen wie Moskitonetze oder Insektizide zu finden. Die Schweiz spielt in der Malariabek\u00e4mpfung eine wichtige Rolle, indem sie zum Beispiel das Forschungszentrum Ifakara Health Institute mitfinanziert. In diesem Forschungszentrum, das \u00fcber 1000 Arbeitnehmende besch\u00e4ftigt, werden Wissen, Innovation und Engagement vereint. So entwickelt das Institut \u00a0zum Beispiel eine Moskitofalle, deren Produktion zurzeit zwar noch zu teuer ist, aber die zukunftsweisend sein kann.<\/p>\n<p>Dank diesem gemeinsamen, internationalen Engagement wurden erste Erfolge erzielt. Die Ausbreitung von Malaria konnte, selbst in entlegenen Gebieten, mit koordinierten Massnahmen und Kontrollen gesenkt werden. In ganz Tansania wurden dank lokalen Netzwerken seit 2004 \u00fcber 55 Millionen Moskitonetze verteilt. Hunderttausende Menschen konnten so gerettet werden.<\/p>\n<p>Doch Malaria bleibt, wie andere vergessene Krankheiten, in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung der Zukunft. Einerseits f\u00f6rdern der Klimawandel und die zunehmende Widerstandsf\u00e4higkeit der Erreger die Ausbreitung der Infektionskrankheit. Andererseits ist es zentral, sich nicht auf den erreichten Erfolgen auszuruhen, sondern weiterzumachen. Dies bedingt auch eine nachhaltige Finanzierung, wobei gerade reiche L\u00e4nder wie die Schweiz besonders in der Verantwortung stehen.<\/p>\n<p>Die Bek\u00e4mpfung von Malaria ist nicht nur eine medizinische Herausforderung, sondern eine Frage des Kampfes gegen die Ungleichheit auf der Welt. Malaria ist eine Krankheit der Armen. Trotzdem sollen sich Pharmakonzerne daf\u00fcr interessieren, einen Impfstoff oder ein Medikament dagegen zu entwickeln. Dank Medicines for Malaria Venture und Drugs for Neglected Diseases hat sich ein Pharmaunternehmen in Tansania etabliert, das Medikamente, die nicht unter Patenschutz stehen, gegen Malaria entwickelt und produziert. Paradoxerweise kann dieses Pharmaunternehmen diese Medikamente jedoch nur in L\u00e4ndern wie Tansania verkaufen.<\/p>\n<p>Armut ist nicht nur Ursache von Malaria, sondern auch eine direkte Folge davon. Wer wenig Geld hat, kann sich weder die notwendigen Pr\u00e4ventionsmassnahmen wie zum Beispiel ausreichend Wasser und Moskitonetze, noch die n\u00f6tigen Medikamente und Behandlung im Falle einer Erkrankung leisten. Und wenn Kinder oder Erwachsene krank sind, k\u00f6nnen sie nicht in die Schule oder zur Arbeit. K\u00f6nnen sie nicht arbeiten, haben sie kein Geld, um sich Medikamente und die notwendige Behandlung leisten zu k\u00f6nnen. Ein Teufelskreis. Es kann und soll also nicht nur darum gehen, einen Impfstoff oder ein wirksames Medikament gegen Malaria zu entwickeln. Ebenso wichtig ist es, die Lebensumst\u00e4nde der Menschen zu verbessern, Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen und f\u00fcr alle eine Perspektive zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren, ich bin leidenschaftliche Politikerin und \u00c4rztin. Nach meiner Reise nach Tansania bin ich \u00fcberzeugter denn je: Malaria kann nur mit dem n\u00f6tigen politischen Willen, medizinischem Wissen, internationaler Solidarit\u00e4t, ausreichend finanziellen Ressourcen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort besiegt werden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich an dieser Stelle herzlich f\u00fcr Ihr Interesse und Ihr Engagement bedanken.<\/p>\n<p><em>Rede gehalten in Basel anl\u00e4sslich des Welt-Malaria-Tages 25. April 2015, auf Einladung der Swiss Malaria Group\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesch\u00e4tzte Anwesende Vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Ich freue mich, heute als Politikerin und \u00c4rztin vor Ihnen sprechen zu k\u00f6nnen. 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